5. Dezember

Heute Abend zeigen auf dem Stadtplatz von Vils die Galga-Krampalar wieder ihr Können. Mit Rauch und Feuer, wilden Sprüngen und Glockengeläut wollen sie alle das Fürchten lehren.

 

Einer dieser wilden Gesellen stellt sich nun vor:

 

Ich bin der böse Krampus aus der heiligen Hölle. Schon hunderte Jahre lebe ich dort mit ganz vielen anderen Krampussen.

Ich bin über 2 Meter groß, aber damit längst nicht der Größte. Die zehn Ziegen, die ich vor langer Zeit geschlachtet habe, trage ich nun als Pelzmantel. Die großen Steinbock-Hörner schmücken meinen weiß-grauen, sehr grimmigen, bösen Kopf. Auf dem Rücken trage ich Schellen, damit mich alle hören können und hoffentlich ordentlich Angst bekommen.

 

Ich bin meist ziemlich genervt in der Hölle. Da wir nicht reden können, knurren und brüllen wir nur. Es kann schon einmal passieren, dass ich einem anderen Krampus die höllische Kohlenschaufel über den Kopf ziehe. Aber wenn mir jemand etwas zu essen bringt, bin ich immer sehr dankbar und versuche zu lachen.

 

Meine Hobbys sind den ganzen Tag Kohle zu schaufeln und abends auf dem Haufen zu schlafen. Nur Anfang Dezember kommen wir auf die Erde hoch. Wir Krampusse gehen meist mit dem Nikolaus mit, aber manchmal auch alleine. Den Kindern, die nicht brav waren, schlagen wir auf den Arsch. Die ganz kleinen Kinder bekommen manchmal Schokolade oder eine Umarmung, wenn sie brav waren.

 

Wenn ich euch heute Abend sehe, werden wohl ein paar Schläge fallen müssen. Denn wie ich das sehe, waren viele von euch viel zu selten brav.

 

Peter Tröber