21. Dezember

Weihnachtsgedicht

 

Die Leute hasten,
Geschenke stapeln sich am Kasten.
Mütter kaufen, Väter zahlen,
und man grübelt voller Qualen,
ob man heute in der Stadt
wohl wirklich nichts vergessen hat:

Für Opa Badesalz aus Latschen.
Für Oma die karierten Patschen.
Den Cognac für die Mutter.
Für Lumpi teures Hundefutter.
Den Regenschirm für Onkel Otto.
Fürs Kind das bunte Bilderlotto –

Das sind halt jetzt die vielen Fragen,
die einen Schenkenden so plagen.
Ein jeder hat von allem viel
und überdies im besten Stil,
er hat zum Trinken und zum Essen,
die Kleidung darf man nicht vergessen.

Die Wohnung, die ist auch komplett,
vom Klo bis hin zum Kinderbett.
Ob Pulli, Gürtel oder Seidentücher,
ob dicke Bücher oder dünne Bücher,
ob Bilder, Vasen, Lampen oder Platte –
mir fällt nichts ein, was man nicht hatte.

Jede Idee, die mich entzückt,
wird sofort wieder unterdrückt,
ich höre nur mehr voller Hohn:
Das hat er schon – das hat sie schon!

Ja, gibt`s denn wirklich keine Sachen,
die einem heut` noch Freude machen?
Mein Hirn ist ausgebrannt erloschen.
Doch plötzlich fällt bei mir der Groschen:
An einem fehlt es weit und breit,
eins hat kein Mensch, kein Mensch hat Zeit!

Wir wollen einmal richtig denken:
Die Zeit soll`s sein, die wir verschenken!
Ich weiß zum Beispiel, was ich tu:
Ich hör dir einmal richtig zu….
Wir schenken Zeit – mal heut, mal morgen,
erzählen einander unsre Sorgen
und leihen einander unsre Ohren.
Von dem Geschenk geht nichts verloren!

„Zeit“ ist auch einfach zu verschenken,
man braucht nicht lange nachzudenken,
man braucht dazu kein Weihnachtspackerl,
kein Geschenkpapier und kein Sackerl,
kein Lametta und keine Kerzen –
Das Wichtigste: Es kommt von Herzen!