5. Dezember

Es war der erste Mittwoch im Advent. Draußen windete und schneite es, dass man nicht mehr aus den Fenstern sehen konnte. Alle saßen an diesem Nachmittag in der Stube am warmen Kachelofen, bloß die Mutter nicht, sie backte in der Küche Lebkuchen für Nikolaus. Aber das junge getigerte Katerchen, der Lucki lag nicht, wie sonst alle Tage, auf dem Diwan im Ofenwinkel. Wo könnte Lucki bei dem wilden, schlechten Wetter wohl sein? Man suchte überall nach ihm. Im oberen Hausgang und in den Schlafzimmern schaute man nach, alles umsonst. Dann, am Abend zur Stallzeit, musste man auf den unteren und oberen Heuboden hinauf, um für die Tiere Heu herunter zu holen. Da, im Grummetheustock in einem Nest saß der kleine Kater drinnen, so süß und spähte ganz scheu zwischen den Heuhalmen heraus mit seinen grünen Augen. Dass man das Kätzchen wiedergefunden hatte, war fast wie ein Weihnachtswunder, über das sich alle freuten.

Ylvie Krenslehner