19. Dezember

Reise, Reise, Reise, Reise

Der Schnee fiel und es war kalt. Die Bank, auf der ich saß, war mit Eis bedeckt. Dieser Winter war kalt und verschneit. Schon seit Wochen lag der Nebel über Vils. Um mich herum war es still. Man hörte keinen einzigen Vogel. Die Welt um mich war wie eingefroren. Der Weihnachtsmarkt in Vils fand dieses Jahr auch nicht statt. Und wenn man jemanden nach Weihnachten fragte, hatte niemand Ahnung.

Ich hörte Schritte. Ein Mann kam auf mich zu. Er hatte einen weißen Bart und war um die 60 Jahre alt. Er setzte sich neben mich:"Und mein Kind, freust du dich schon auf Weihnachten?" "Sie wissen, was das ist? Ich meine, die ganze Stadt glaubt nicht mehr daran, so als hätten sie es vergessen", antwortete ich verwundert. Der Mann beugte sich zu mir vor und flästerte mir ins Ohr:"Das klingt jetzt wahrscheinlich komisch, aber ich glaube, jemand ha das verhindert, dass Weihnachten heuer stattfindet und nur du kannst es retten."

Der Mann mit dem weißen Bart drückte mir einen Zettel in die Hand. Er stand auf und ging. Ich faltete ihn auf und las ihn aus Gewohnheit laut vor:"Reise, Reise, Reise, leise." Immer noch schneite es, aber der Schnee fiel immer stärker. Alles wurde ganz weiß. Vor Angst schloss ich meine Augen. Es fühlte sich an, als berührten meine Füße nicht mehr den Boden. Plötzlich stolperte ich und landete direkt auf dem Asphaltboden. Ich blickte auf. Auf dem Schild vor mir stand: Weihnachtsmarkt 2015. Aber wie ging das? Und was sollte ich tun? Langsam spazierte ich durch die Gasse und sehe  mich selbst. Erschrocken verstecke ich mich hinter einem Weihnachtsstand. Neben mir stand ein schwarz gekleideter Mann. Es war der Mann, der mir den Zettel gegeben hatte. War er auch durch die Zeit gereist? Ich hatte früher noch nie mit ihm gesprochen, ihn noch nicht einmal gesehen.
Trompeten erklangen und die Aufmerksamkeit wurde auf die Bühne gerichtet. An diesen Teil konnte ich mich plotzlich erinnern. Man hatte mich auf die Bühne gerufen und ich musste einen Spruch vorlesen.
Und plötzlich kan es mir wie ein Blitz geschossen. Ich eilte Richtung Bühne. Ich  musste mein älteres Ich daran hindern, den Spruch vorzulesen, denn dann würde das passieren, was nie passieren hätte dürfen. Der Spruch war ein Zauberspruch, der die Menschen im kommenden Jahr das Weihnachtsfest vergessen lassen würde. Ich beeilte mich, stolperte, verlor wieder den Boden unter den Füßen ...
Ich reiße die Augen auf. Ich bin verwirrt. Was für ein fürchterlicher Albtraum ...
Schnell schnappe ich mein Notizbuch, schreibe alles auf, damit niemand mehr vergisst, wie wichtig Weihnachten ist.

Isabella Hengg